Elektrik im Altbau erneuern: Kosten, Ablauf & Checkliste 2026
Wann muss die Elektrik im Altbau erneuert werden? Kosten, Ablauf und worauf Sie achten müssen.
Michael Friedrichs
Geschäftsführer · Elektromeister
Alte Elektrik im Altbau ist nicht nur ein Ärgernis — sie kann lebensgefährlich sein. In Deutschland verursachen elektrische Defekte jedes Jahr tausende Brände. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, woran Sie veraltete Elektrik erkennen, was eine Sanierung kostet und wie der Ablauf funktioniert.
Wann muss die Elektrik im Altbau erneuert werden?
Als Faustregel gilt: Elektroanlagen, die älter als 30–40 Jahre sind, sollten dringend überprüft und meist erneuert werden. In vielen Altbauten im Ruhrgebiet aus den 1950er bis 1980er Jahren ist die Elektroinstallation noch im Originalzustand — und entspricht längst nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards.
Diese Warnsignale deuten auf veraltete Elektrik hin:
- Sicherungen fliegen häufig raus: Die Anlage ist für den heutigen Strombedarf nicht ausgelegt. Moderne Haushalte mit Geschirrspüler, Induktionsherd und Wärmepumpe brauchen deutlich mehr Leistung als vor 40 Jahren.
- Verfärbte oder vergilbte Steckdosen: Ein Zeichen für Überhitzung — hier besteht akute Brandgefahr.
- Fehlende FI-Schutzschalter (RCD): FI-Schalter schützen vor tödlichen Stromschlägen. In Altbauten fehlen sie oft komplett. Seit den 2000er Jahren sind sie in Nassräumen Pflicht, seit 2024 für alle Stromkreise vorgeschrieben.
- Aluminium-Leitungen: In den 1960er-70er Jahren wurden häufig Aluminiumkabel verlegt. Diese sind spröde, brechen leicht und haben schlechte Kontakteigenschaften — ein erhebliches Brandrisiko.
- Zweipolige Steckdosen ohne Schutzkontakt: Diese alten Steckdosen haben keinen Erdungsanschluss und entsprechen nicht mehr den Sicherheitsstandards.
Tipp: Ein E-Check durch einen Fachbetrieb gibt Ihnen innerhalb weniger Stunden Klarheit über den Zustand Ihrer Elektroanlage.
Was kostet eine Elektrosanierung?
Die Kosten einer Elektrosanierung hängen vom Umfang ab. Hier eine Übersicht typischer Kosten im Ruhrgebiet:
| Leistung | Kosten | Beschreibung |
|---|---|---|
| Teilsanierung | 40-60 €/m² | Verteiler erneuern, FI nachrüsten, einzelne Kreise |
| Komplettsanierung | 80-120 €/m² | Alle Leitungen, Verteiler, Steckdosen, Schalter |
| Sicherungskasten erneuern | 800-2.000 € | Neuer Verteiler mit FI und Leitungsschutzschaltern |
Beispielrechnung: Eine Komplettsanierung einer 100 m² großen Altbauwohnung im Ruhrgebiet kostet typischerweise 8.000–12.000 €. Darin enthalten: neuer Sicherungskasten, komplett neue Leitungen, ausreichend Steckdosen und Lichtanschlüsse sowie die Abnahme.
Hinweis: Diese Kosten beziehen sich auf die Elektroarbeiten. Putz- und Malerarbeiten kommen ggf. hinzu, können aber in Eigenleistung erfolgen.
Ablauf einer Elektrosanierung
Eine professionelle Elektrosanierung läuft in fünf klar definierten Schritten ab:
- Bestandsaufnahme und E-Check: Zunächst prüfen wir den Ist-Zustand Ihrer Elektroanlage. Welche Leitungen sind vorhanden? Wo liegen Mängel? Was kann erhalten bleiben? Diese Analyse ist die Grundlage für ein seriöses Angebot.
- Planung: Gemeinsam legen wir fest, wo Steckdosen, Lichtauslässe und Schalter hin sollen. Dabei berücksichtigen wir Ihren heutigen Bedarf und zukünftige Anforderungen — zum Beispiel Anschlüsse für eine Wallbox oder Wärmepumpe.
- Leitungen verlegen: Je nach Bausubstanz werden Schlitze gestemmt (Unterputz) oder Kabelkanäle montiert (Aufputz). In Altbauten mit Denkmalschutz arbeiten wir oft mit einer Kombination aus beiden Methoden.
- Verteiler und Sicherungen: Der alte Sicherungskasten wird durch einen modernen Verteiler ersetzt — mit FI-Schutzschaltern, Leitungsschutzschaltern und ausreichend Reserveplätzen für spätere Erweiterungen.
- Anschluss und Abnahme: Alle Stromkreise werden angeschlossen, gemessen und dokumentiert. Sie erhalten ein Prüfprotokoll, das auch Ihre Versicherung benötigt.
Checkliste für Eigenheimbesitzer
Bevor Sie eine Elektrosanierung beauftragen, sollten Sie folgende Punkte klären:
- Baupläne vorhanden? Originalbaupläne helfen bei der Bestandsaufnahme und verkürzen die Planungsphase.
- Wohnfläche und Raumaufteilung: Wie viele Räume? Wird umgebaut oder bleibt der Grundriss?
- Zukünftige Verbraucher: Planen Sie eine Wärmepumpe, Wallbox, Sauna oder Durchlauferhitzer? Das beeinflusst die Leitungsdimensionierung.
- Steckdosen pro Raum: Moderne Empfehlung: mindestens 5-6 Steckdosen pro Wohnraum, 8-10 in der Küche.
- Netzwerk und Smart Home: Sollen Netzwerkkabel (CAT7) oder Smart-Home-Leitungen mitverlegt werden? Das ist im Zuge einer Sanierung am günstigsten.
- Budget und Zeitrahmen: Klären Sie Ihr Budget und wann die Arbeiten stattfinden sollen. In bewohnten Wohnungen arbeiten wir raumweise.
- Versicherung informieren: Manche Gebäudeversicherungen gewähren Rabatte nach einer Elektrosanierung mit E-Check-Nachweis.
Was können Eigenheimbesitzer selbst machen?
Die ehrliche Antwort: bei den Elektroarbeiten selbst — nichts. Laut NAV §13 (Niederspannungsanschlussverordnung) dürfen nur eingetragene Elektrofachbetriebe an der elektrischen Anlage arbeiten. Das ist keine bürokratische Schikane, sondern Schutz für Ihre Sicherheit.
Was Sie als Eigenheimbesitzer aber tun können:
- Schlitze zuputzen: Nachdem der Elektriker die Leitungen verlegt hat, können Sie die Schlitze selbst mit Gips verschließen.
- Malerarbeiten: Wände spachteln und streichen nach der Sanierung.
- Möbel räumen: Sorgen Sie dafür, dass der Elektriker freien Zugang zu allen Wänden hat — das spart Arbeitszeit und damit Kosten.
- Steckdosen-Planung: Überlegen Sie vorab genau, wo Sie Steckdosen und Schalter brauchen. Änderungen während der Arbeit kosten Zeit und Geld.
Tipp: Durch gute Vorbereitung und Eigenleistung bei den Nebenarbeiten können Sie 10-20 % der Gesamtkosten sparen.
Fazit
Eine Elektrosanierung im Altbau ist eine Investition in Sicherheit und Wohnkomfort. Veraltete Elektrik ist nicht nur unbequem, sondern ein echtes Sicherheitsrisiko. Mit einer professionellen Sanierung schaffen Sie die Grundlage für moderne Technik — von der Smart-Home-Steuerung bis zur Photovoltaikanlage.
Nächster Schritt: Vereinbaren Sie einen E-Check-Termin — wir prüfen Ihre Elektroanlage und erstellen ein transparentes Angebot für die Sanierung.
Häufig gestellte Fragen
Wann muss die Elektrik im Altbau erneuert werden?
Elektroanlagen sollten spätestens nach 30-40 Jahren erneuert werden. Warnsignale sind häufig auslösende Sicherungen, verfärbte Steckdosen, fehlende FI-Schutzschalter, Aluminium-Leitungen oder zweipolige Steckdosen ohne Schutzkontakt.
Was kostet eine komplette Elektrosanierung im Altbau?
Eine Komplettsanierung kostet 80-120 € pro Quadratmeter. Für eine 100 m² große Wohnung rechnen Sie mit 8.000-12.000 €. Eine Teilsanierung liegt bei 40-60 €/m².
Kann ich Elektroarbeiten im Altbau selbst machen?
Nein. Alle Arbeiten an der elektrischen Anlage müssen laut NAV §13 von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Als Eigenheimbesitzer dürfen Sie nur Malerarbeiten, Schlitze zuputzen und ähnliche Nicht-Elektro-Arbeiten übernehmen.
Wie lange dauert eine Elektrosanierung?
Die reine Elektroarbeit dauert bei einer Komplettsanierung einer Wohnung typischerweise 1-2 Wochen. Hinzu kommen Putz- und Malerarbeiten. Bei bewohnter Wohnung arbeiten wir raumweise, sodass Sie nicht ausziehen müssen.
Ist ein E-Check Pflicht?
Ein E-Check ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber dringend empfohlen — besonders bei Altbauten. Viele Versicherungen verlangen bei Schadensfällen den Nachweis einer geprüften Elektroanlage. Der E-Check kostet ca. 150-250 € und gibt Ihnen Sicherheit.
Michael Friedrichs
Geschäftsführer von Friedrichs Elektrotechnik GmbH und Elektromeister. Michael plant und überwacht jede Installation persönlich.